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Praxis für Schmerztherapie

Dr. Schleizoom

Schmerzen haben als Warnsignal eine wichtige Funktion für den Körper. Wenn sich aber der Schmerz als ständiger Begleiter einstellt, wenn er das Alltagsleben, die Arbeitsfähigkeit und die Seele belastet, dann sprechen wir von chronischen Schmerzen. Und die behandeln wir in der Praxis für Schmerztherapie nach einem fachübergreifenden Konzept, das Sie als Patienten aktiv mit in den Heilungsprozess einbindet und sich auf die Erfahrung und Kompetenz vieler Fachleute stützt.

 
 

Leistungsspektrum:

  • chronischen Kopf- und Gesichtsschmerzen
  • chronischen Rückenschmerzen
  • chronischen Schmerzen des Bewegungssystems
  • neuropathischen Schmerzen (u. a. Zoster-Neuralgie)
  • Ganzkörperschmerzen (Fibromyalgie)
  • Schmerzen ohne erkennbare Ursache

Schmerzfrei leben - Wie eine Schmerztherapie helfen kann

 

Stopp dem chronischen Schmerz

Ein paar einfache Regeln können helfen, damit aus einem akuten kein chronischer Schmerz wird.

  • Frühzeitig einen Arzt zur Abklärung der Diagnose aufsuchen
  • Anlassbezogene, ärztlich verordnete Schmerzmittel nutzen
  • Selbstmedikation vermeiden
  • Bei länger als 6 Monate andauernden Schmerzen einen Schmerztherapeuten aufsuchen
  • In Bewegung bleiben
  • Leid teilen. Freude und Optimismus aber auch!
  • Muskelaufbautraining rund um die Schmerzregion in den Alltag integrieren

Experten-Interview mit Dr. med. Bernd Schlei

Schleizoom

Plötzlich ist er da, der Schmerz. Es zieht in der Schulter, es reißt  im Rücken, der Kopf explodiert. Oft gehen die Schmerzen, wenn die Ursache erst gefunden ist, so schnell wie sie gekommen sind. Für über eine Million Deutsche aber ist der Schmerz kein Warnsignal mehr, das auf einen schädlichen äußeren Einfluss oder eine Erkrankung hinweist, sondern ein ständiger Begleiter. Sie leiden unter chronischen Schmerzen, die einfach nicht mehr verschwinden wollen, selbst wenn die Ursache längst behoben wurde.

Dr. Bernd Schlei beschäftigt sich bereits seit über 7 Jahren mit der Entstehung, vor allem aber mit der Therapie chronischer Schmerzen. Im Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn, im St.-Marien-Hospital Marsberg und im MVZ Westheim setzt er sich für eine frühzeitige Diagnose und eine individuelle, bedarfsgerechte ambulante oder stationäre Therapie ein. Im Gespräch erläutert der Leitende Oberarzt Ursachen und Therapiekonzepte bei chronischen Schmerzen und verrät die wichtigsten Maßnahmen, um Schmerzkarrieren frühzeitig zu stoppen.

Wir alle kennen Schmerzen. Wir nehmen Tabletten, damit Sie verschwinden und lassen Ärzte die Ursache beheben, wenn Sie länger anhalten. Wie kann es aber sein, dass manche Schmerzen ohne akuten Grund dauerhaft bleiben?

Schlei: Schmerz ist ein Warnsignal, das von der gefährdeten oder erkrankten Stelle, z.B. einem gequetschten Daumen, durch den ganzen Körper läuft und erst im Gehirn das Gefühl „Schmerz“ auslöst. Das Ganze passiert in einem komplexen Ablauf, bei dem im Bruchteil einer Sekunde die Information von den Schmerzfühlern, die wir überall im Körper haben, zum Gehirn gelangt. Das Gehirn schickt als Gegenwehr sogleich Stoffe zurück, die das Schmerzempfinden hemmen. Wenn Schmerzen nun über einen längeren Zeitraum bestehen, kann dieses System durcheinander geraten. Zuletzt sendet der Körper ohne Auslöser die Botschaft „Schmerz“ ans Gehirn. Dann empfindet der Mensch quasi grundlos Schmerzen.

Man bildet sich den Schmerz also ein?

Schlei: Gerade das nicht. Der Schmerz ist völlig real vorhanden. Der Körper produziert ihn nun selber, ohne dass es einen Auslöser gibt. Daher erleiden Menschen oft jahrelange Schmerzkarrieren, in denen sich ihre Symptome verschlimmern. Sie gehen zum Hausarzt, der überweist zum Facharzt, aber keiner findet eine Ursache - weil es keine gibt. Aber der Schmerz bleibt. Das ist eine sehr hohe Belastung, weil sich zu den Schmerzen auch noch Unsicherheit oder sogar soziale Anfeindung gesellt. Psyche und Schmerz sind sehr eng miteinander verbunden und oftmals entwickelt sich eine Negativspirale, die erst mit einer multimodalen Therapie wieder gestoppt werden kann.

Multimodale Schmerztherapie. Das klingt kompliziert. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Schlei: Multimodal bedeutet „auf vielen Wegen“. In der Schmerztherapie gehen wir davon aus, dass ein Mensch mehr ist als die Summe seiner Teile und dass seine Empfindungen, besonders die Schmerzwahrnehmung, durch viele Faktoren entsteht, die einander beeinflussen. Wir nennen das in der Medizin „biopsychosoziales Schmerzmodell“. Es berücksichtigt die körperlichen, seelischen und umweltbezogenen Faktoren. Wir bekämpfen die vielen Wege der Schmerzentstehung mit genauso vielen Wegen der Linderung. Statt multimodal könnte man vereinfacht auch ganzheitlich sagen.

Und was sind das für Wege, die Sie beschreiten?

Schlei: Das oberste Ziel ist es, den Schmerz zu unterbrechen, damit die fehlerhaften Prozesse im Organismus zum Erliegen kommen. Dazu arbeiten wir mit vielen verschiedenen medizinischen und therapeutischen Disziplinen zusammen und entwickeln sehr individuelle Konzepte. Einige Menschen können ihrer Krankheit besser ambulant begegnen, anderen hilft ein zweiwöchiger stationärer Aufenthalt in einer Gruppe, um sich eine Zeit lang ganz auf die Therapie konzentrieren zu können. Zudem bietet die stationäre Therapie in Marsberg Ruhe und Naturnähe in einer landschaftlichen schönen Umgebung. Aber ob ambulant oder stationär macht bei den Maßnahmen keinen großen Unterschied: Die Ärzte stellen in erster Linie die Schmerzmedikation ein. Mit Akkupunktur oder dem Einsatz von Tens-Geräten, die leichte Stromimpulse setzen, können wir ebenfalls die Schmerzleitung beeinflussen. Physiotherapeuten bringen Patienten schonend wieder in Bewegung oder vermitteln unterschiedliche Entspannungstechniken, um auch unter Schmerzen und hoher psychischer Belastung wieder zur Ruhe zu kommen. Auch komplementäre Angebote wie Aromatherapie oder Fußreflexzonenmassagen kommen zum Einsatz.

Schulmediziner greifen selten auf Naturheilkunde zurück. Warum ist das in der Schmerztherapie anders?


Schlei: In der Schmerztherapie gibt es bislang  relativ wenig valide Studien über den statistischen Erfolg schulmedizinischer Therapien. Noch weniger Studien gibt es über naturheilkundliche Anwendungen. Wir sind auf unsere Erfahrungen zurückgeworfen. Die zeigen, dass es nicht auf den Ansatz ankommt, sondern wie effektiv die Schmerzübermittlung unterbrochen werden kann. Sehr gute Erfahrungen haben Schmerztherapeuten weltweit mit dem Zusammenspiel vieler Maßnahmen aus Schulmedizin und Naturheilkunde gemacht.

Bedeutet das, wenn Sie feststellen würden, dass der Besuch von Heavy Metall Konzerten hilft, würden Sie den Konzertbesuch in den Therapieplan aufnehmen?


Schlei: Im Grunde genommen ja. Wir wissen, dass Musik positive therapeutische Effekte haben kann und setzen dies gezielt ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Heavy Metall auf eine größere Patientengruppe positiv wirkt, würde ich allerdings als gering einstufen.

Wenn das oberste Ziel die Unterbrechung der Schmerzen ist, warum setzen Sie dann auf Massagen, Musik und Bewegung? Gibt es keine Mittel, die jeden Schmerz ausschalten können, wie auch bei einer Operation?

Schlei: Wer Schmerzmittel verteufelt, wird chronische Schmerzen nicht in den Griff bekommen, wer nur auf Medikamente setzt, springt zur kurz. Starke Medikamente haben oftmals Nebenwirkungen, können emotional dumpf oder auch abhängig machen. Wir wollen gemeinsam mit den Patienten ein optimales Gleichgewicht erarbeiten, in dem der Schmerz das Leben nicht mehr dominiert und bestenfalls verschwindet. Dazu braucht es mehr als nur Medikamente und zu allererst die Bereitschaft des Patienten, mitzuarbeiten. Dem Schmerz kann letztlich nur jeder selbst entkommen. Wir Therapeuten zeigen aber die Wege auf und gehen ein gutes Stück mit.

Zum Abschluss. Haben Sie einen guten Tipp, wie man mit Schmerzen von Anfang richtig umgeht?

Schlei: Einen einzigen vielleicht nicht, aber drei ganz allgemeine Tipps habe ich: suchen Sie bei anhaltenden Schmerzen frühzeitig einen Spezialisten auf. Bleiben Sie trotz Schmerzen in moderater Bewegung statt in Schonstarre zu fallen und achten Sie auch auf Ihr inneres Gleichgewicht.

Bausteine auf dem Weg aus der Schmerzfalle

Vorstellung
Eine umfassende, interdisziplinäre Anamnese und Diagnostik bilden das Fundament der gesamten Schmerztherapie. Beim Vorstellungstermin beim Schmerztherapeuten werden sowohl alle Vorbefunde gesichtet als auch eine ärztliche Anamnese und gründliche körperliche Untersuchung, eine physiotherapeutische Befundung und eine psychologische Exploration vorgenommen.

Auswertung
Die Ergebnisse werden ausgewertet und eine Therapieempfehlung gegeben. Diese kann beispielsweise eine Überweisung zu einem anderen Facharzt, eine Einstellung der Schmerzmedikation oder eine ambulante oder stationäre Schmerztherapie beinhalten.

Ambulante und stationäre Therapie

Das Konzept der stationären und ambulanten Schmerztherapie ist multimodal, das heißt, es begreift die chronische Schmerzentstehung als Zusammenspiel vieler Faktoren mit sensorischer, affektiver, kognitiver und funktioneller Dimension.

Wissensvermittlung. Wer seine Krankheit kennt und versteht, kann anders damit umgehen. Deshalb erklären Fachleute laienverständlich wie Schmerzen entstehen und wahrgenommen werden, wie es zu Chronifizierungen kommt und welche Einflüsse den Schmerz begünstigen oder mindern können.

Individuelle Medikation.
Fachärzte für Anästhesie und Schmerztherapie stellen eine bedarfsgerechte Medikation zusammen. Hierbei kann es zu einer Reduktion oder Erhöhung bereits eingenommener Präparate kommen oder auch neue Pharmazeutika sowie Naturheilprodukte zum Einsatz kommen.

Linderung. Komplementärmedizinische Maßnahmen wie Akkupunktur oder auch Reizstromgeräte werden zur Schmerzlinderung und zur Durchbrechung der Schmerzroutinen im Gehirn eingesetzt.

Aktivierung. Mit Schmerzen, besonders im Rücken und in den Gelenken, neigen viele Patienten zu Passivität. Schmerzvermeidung und vermeintliche Schonung begünstigen aber zumeist den Schmerz. Daher ist Aktivierung durch Physiotherapeuten ein wichtiger Therapiebaustein. Spaziergänge, Gymnastik, Gerätefitness oder Bewegung im Wasser unter Anleitung sind häufige Aktivierungsmaßnahmen, die zugleich eine präventive Verbesserung der Haltung und der Bewegungsmuster nach sich zieht.

Entspannung. Auch mit Schmerzen abschalten und zur Ruhe kommen können, erhöht die Schmerztoleranz und die Lebensfreude. Daher gehört das Erlernen von Entspannungstechniken grundlegend zum multimodalen Therapiekonzept. Aromaölmassagen, Fußreflexzonenmassagen und Bäder werden ergänzend kombiniert.

Reflexion. Ständiger Schmerz verhindert eine klare Sicht. In der Therapie lernen Patienten daher, die Signale und Reaktionen des eigenen Körpers differenziert wahrzunehmen und besser einzuschätzen.

Austausch.
Der Austausch mit Fachleuten und anderen Betroffenen hilft, Ängste abzubauen und den Umgang mit der eigenen Krankheit zu erleichtern.

Evaluation

Die Erfolge einzelner Maßnahmen und des gesamten Therapieplans werden überprüft. Wichtig ist, Veränderungen wahrzunehmen und auch kleine Erfolge zu feiern.

Therapieanpassung
Nach der begleiteten Lernphase während der stationären oder ambulanten Therapie wird der Therapieplan gemäß der Evaluation angepasst. Hilfreiche Methoden werden vertieft, erfolglose Maßnahmen gestrichen. Zentraler Aspekt dieser Phase ist die Integration und Fortführung im Alltag.


 

Sprechstunde

Nach telefonischer Vereinbarung unter Tel: 02994 96660

Schlei, Bernd

Facharzt für Anästhesie, Palliativmedizin, spezielle Schmerztherapie, Notfall- und Intensivmedizin

Tel: 02994 96660
b.schlei@mvz-westheim.de

Kramer, Oliver

Facharzt für Anästhesie

Tel: 02994 96660
o.kramer@mvz-westheim.de

 
 
 
 
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